Ein Jahr auf der Insel: Working Holiday in Taiwan

ein Cola in KentingEigentlich war alles ganz anders geplant gewesen, aber am Ende wurde doch alles gut. Im Januar 2014 überlegten meine Freundin Linda und ich ein Jahr im Ausland zu verbringen, um nach unseren Uni-Abschlüssen neue Erfahrungen zu sammeln und etwas „raus“ zu kommen. Ursprünglich hatten wir unsere Augen auf die Metropole Hongkong geworfen, aber nach zwei ergebnislosen Versuchen über die chinesische Botschaft den Behörden in Hongkong unsere Unterlagen zukommen zu lassen, mussten wir uns einen Plan B überlegen.

Das Working Holiday Visum (打工度假簽證 dǎgōng dùjià qiānzhèng) für Taiwan

Nach etwas Recherche fanden wir heraus, dass nicht nur Hongkong, sondern auch Taiwan ein Abkommen mit Deutschland zum Austausch von jungen Menschen im Rahmen des Working Holiday Programms hat. Jährlich können darüber jeweils 300 Deutsche und Taiwaner*innen zwischen 18 und 30 Jahren das andere Land bereisen und sich dort durch Kurzzeit-Jobs das Geld dafür verdienen. Diese Kurzzeit-Jobs sind in Taiwan auf jeweils maximal drei Monate beschränkt und einige Branchen, wie die Gastronomie und die Unterhaltungsindustrie, sind von der Arbeitserlaubnis ausgenommen.

Japan_Miyajia zur Kirschblüte

Zusammen in Japan

Reisen innerhalb und außerhalb von Taiwan

In unserem Fall bedeutete das, dass wir einige Monate in Taipeh lebten und in der zweiten Jahreshälfte nach Tainan weiterzogen. Dabei lernten wir beide Städte mit ihren Vor- und Nachteilen besser kennen, als wir es als Touristen hätten tun können. Darüber hinaus nahmen wir uns die Zeit sowohl Taiwan zu erkunden – den Sonne-Mond-See (日月潭 rì yuè tán), den fast schon tropischen Süden um Kenting (垦丁 kěn dīng), die kulturelle und natürliche Vielfalt um Huālián (花莲) und die Vorlage für den Film Chihiros Reise ins Zauberland: Jiǔfèn (九份) – aber auch die umliegenden Länder zu besuchen, wie zum Beispiel Japan, die Philippinen, Vietnam, Singapur und Malaysia.

Arbeiten in Taiwan

Um sich diese Reisen leisten zu können, mussten wir natürlich auch Geld verdienen. Wie viele westliche Ausländer vor uns – und obwohl wir etwas besser abgestimmt mit unseren Interessen nach Arbeit suchen wollten – verdienten wir unser Geld mit Sprachunterricht. Für diese Entscheidung gab es verschiedene Gründe. Zum einen sind Menschen in Taiwan, wie auch in vielen anderen asiatischen Gesellschaften, bereit, mehr Geld (im Vergleich zum Durchschnittseinkommen) für Sprachunterricht auszugeben, als es bei uns der Fall ist. Bei einem Gehalt von 10 bis 15€ pro Stunde für Privatkurse kann man sich dann schon bei halber Auslastung die noch vergleichsweise günstigen Mieten und Lebensmittelpreise in Taiwan leisten.

Ein anderer Grund für privaten Sprachunterricht war die visumsbedingte Einschränkung, nur drei Monate bei einem Arbeitgeber arbeiten zu dürfen. Im Gegensatz zu Australien und Neuseeland, wo Working Holiday sehr bekannt ist und sich Teile der Wirtschaft darauf eingestellt haben, ist es uns in Taiwan unmöglich gewesen, feste Jobs mit solch kurzer Laufzeit zu finden. Anstellungen als (Sprach-) Lehrer*innen oder Aushilfen an Schulen waren auf mindestens ein Schuljahr beschränkt, während in Abendschulen (补习班 bǔ xí bān) oft um die sechs Monate Laufzeit gefordert wurden. Das Finden und langfristige Halten von Schüler*innen für die Deutsche und Englische Sprache war nicht einfach und erforderte einiges an Vorlaufzeit. Durch Inserate auf Webseiten und Aushänge an Universitäten konnten wir aber in Taipeh genug Schüler*innen finden, um uns selbst zu finanzieren. Als wir nach Tainan umzogen, mussten wir alle diese Kontakte neu aufbauen und ein paar Wochen ohne Gehalt auskommen.

Krabbenin KentingSollte man für ein Working Holiday nach Taiwan gehen?

Aus den vorgehenden Beschreibungen kann man sicherlich erkennen, dass es in Taiwan noch kaum Strukturen gibt, die einen Working Holiday-Aufenthalt unterstützen. Wenn man sich dieser Herausforderung jedoch annimmt, kann man mit einem relativ günstigen Visum in einem chinesischsprachigen Land in optimaler Lage in Asien ein Jahr lang arbeiten und reisen. Dazu kommen noch die vielen positiven Aspekte der taiwanischen Kulturszene, Küche und die Gastfreundschaft der Taiwaner, die so vielfältig ist, dass man ihr einen ganzen eigenen Artikel widmen könnte.

Mehr Informationen zur Beantragung eines Working Holiday Visums für Taiwan findest Du auf der Seite der Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland und beim Deutschen Institut Taipei. Informationen zu Jobs gibt es auf den Seiten tealit.com und forumosa.com. Allgemeine Infos für Working Holiday Makers in Taiwan hier: kitaiwan.com.

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sinonerds-Autor*in

Johannes Heller

Jojo studierte Chinastudien und Friedensforschung in Berlin, Nanjing und Brisbane. Akademisch steht für ihn Chinas aktuelle Rolle als regionaler Akteur in Asien im Mittelpunkt. Nebenher entdeckt er gerne neue Musik und Podcasts.

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trenvay
Leser*in

Danke für die Mühe, die Sie gemacht haben, um das alles zusammenzutragen und aufzuschreiben. Viele Grüße und macht weiter so.

Lg Tren

Johannes Heller
Leser*in

Vielen Dank für die nette Nachricht, Tren!

Viele Grüße zurück 🙂

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