10 chinesische Filme, die man gesehen haben muss #2

Für alle Filmnerds unter uns. Was sind eure Favoriten?

Wir haben euch hier bereits zehn Filme vorgestellt, die man gesehen haben muss, doch das chinesische Kino hat natürlich noch mehr zu bieten! Für den nächsten Filmabend, Regentag oder Flug nach China gibt es deshalb nun zehn weitere Filme, die ihr euch ebenfalls nicht entgehen lassen dürft.

Wer noch nicht satt ist, findet seine Extra-Portion in den Filmen, die bei verschiedenen Ausgaben der Berlinale liefen, während Gourmets chinesischer Filmkunst bei den Hintergrundinformationen unseres Spotlights zum chinesischen Film auf ihren Geschmack kommen.

疯狂的石头 Crazy Stone, 2006 (Komödie)

Low-budget Überraschungshit der in einer Mischung aus Slapstick, Wortspielen und schwarzem Humor die Spionage- und Heist-Genres auf’s Korn nimmt. Im Wettlauf um den Diebstahl eines Jade-Steins kämpfen drei Amateur-Diebe nicht nur gegen den Sicherheitsdienst, sondern auch gegen professionelle Konkurrenz. Übrigens auch der erste große Erfolg von Regisseur Ning Hao, der auch mit Crazy Racer und No Man’s Land weiter überzeugt.

疯狂的赛车 Crazy Racer, 2009 (Komödie)

Ein fälschlich wegen Dopings gesperrter Radrennfahrer, der seinen Trainer beerdigen muss, ein schmieriger Businessman, der seine Frau um die Ecke bringen lassen möchte, zwei Killer, die stattdessen ihn selbst im Visier haben und Triaden, die eigentlich nur Drogen schmuggeln wollten, treffen in einem Knäuel an Handlungssträngen aufeinander. Diese schnelle schwarze Kömodie rast durch Zufälle und Missverständnisse von Albernheit zu Gemeinheit und nimmt auf dem Weg eine Menge Action mit. Wer den Film mit einem Muttersprachler zusammen ansieht, kann sich als Bonus die verschiedenen chinesischen Dialekte erklären lassen, die gekonnt in Sprachwitzen kollidieren.

人在囧途 Lost on Journey, 2010 (Komödie)

Diese Odyssee eines Managers und seiner ungewollten Begleitung in Form des Wanderarbeiters Geng Niu zeigt auf urkomische Weise den Wahnsinn der jährlichen Heimreise zum Frühlingsfest und lässt kein Klischee über die ländliche Bevölkerung aus. Ein richtiger Weihnachts-Familien-Film, nur eben nicht zu Weihnachten.

功夫 Kung Fu Hustle, 2004 (Actionkomödie)

Hervorragende Parodie im Stil alter chinesischen Kung Fu Filme, die sich um den Konflikt eines ehrlichen Kleinganovens, zweier Kung Fu Meister und den Killern des Mobs dreht, aber in erster Linie die Lachmuskeln fordert. Die überzogenen Kampffähigkeiten stammen übrigens aus dem Wuxia Genre zu dem auch jüngere Blockbuster wie Hero gehören. Wer von den Kämpfen darin begeistert war kommt hier ebenso auf seine Kosten wie Fans des traditionellen Hong Kong Kinos und Freunde des überzogenen Humors in Shaolin Soccer.

叶问 Ip Man, 2008 (Action)

Dieser moderne Kung-fu Klassiker erzählt die Legende von Ip Man, dem Meister von Bruce Lee, der zu Beginn des japanisch-chinesischen Kriegs zunächst seine Kungfu-Schule aufgibt, aber sich gezwungen sieht den Besatzern entgegenzutreten, um die Menschen seines Dorfes zu schützen. Inhaltlich ist die Geschichte zwar weit von “nach einer wahren Geschichte” entfernt, bietet dafür aber beeindruckende Kämpfe und Anschauungsmaterial anti-japanischer Darstellung in Filmen und Serien.

无人区 No Man’s Land, 2013 (Actionthriller)

In einer Mischung aus nihilistischem Neo-Western und Mad Max werden der selbsgefällige Anwalt Pan Xiao und die Prostituierte Li Yuxun von Yuxuns Familie,  Truckern und mordbereiten Wilderern gejagt. Auf seiner Flucht durch die perfekt in Szene gesetzte Wüstenlandschaft Xinjiangs entwickelt sich Pan Xiao zum Anti-Helden, der zunehmend verzweifelt gegen das selbstgeschaffenen Chaos ankämpft, das mit viel schwarzem Humor und unvorhersehbaren Wendungen die Charaktere verschlingt.

Bereits 2009 fertiggestellt, verbrachte der Film einige Jahre in der Zensurschublade, bevor er unter anderem auf der Berlinale 2014 zeigen durfte, wie abwechslungsreich chinesisches Kino sein kann.

十二公民 12 Citizens, 2014 (Drama)

In dieser Neuverfilmung des Filmklassikers “Die zwölf Geschworenen” entscheiden zwölf Menschen sehr unterschiedlicher Hintergründe über die Schuld eines vermeintlichen Mörderers. Die typisierten Charaktere geben dabei in schnellen Dialogen tiefe Einblicke in die Denkweise und Werte der modernen chinesischen Gesellschaftsgruppen.

狼图腾 Wolf Totem, 2015 (Drama)

Französisch-chinesische Verfilmung des bekannten Bestseller Romans von Regisseur Jean-Jacques Annaud mit grandiosen Landschaftsaufnahmen und echten eurasischen Wölfen, die extra für den Film trainiert wurden. Der Film wird teilweise etwas kitschig, verträgt das aber erstaunlich gut. Der Film rafft die Handlung des Buches und verzichtet zum Glück auf dessen Ethno-Esoterik, der vom Sinologen Wolfgang Kubin sogar Faschismus unterstellt wird, weil die nomadische Lebensweise der Graßland-Mongolen im Vergleich zu den ackerbauenden, “schwachen” Han Chinesen überhöht werde.

Danke an Mario für diesen Film!

大红灯笼高高挂 Raise the Red Lantern, 1991 (Drama)

Im China der 1920er Jahre wird die 19-jährige Chen Zuoqian als vierte Ehefrau Teil der Intrigen und Machtkämpfe im Haushalt ihres Mannes. Fast ausschließlich im Setting eines traditionellen Wohnhofs zeigt Regisseur Zhang Yimou damals schon sein Talent für faszinierende Szenerie und den Umgang mit Farben.

© Asian Union Film

Wikimedia / © Asian Union Film

孔雀 Peacock, 2005 (Drama)

Ende der 1970er Jahre kämpfen drei Geschwister nach dem Ende der Kulturrevolution mit den Problemen des Lebens. Nacheinander aus Sicht des kognitiv behinderte und übergewichtige ältesten Bruders, der idealistischen Schwester und des schüchterne jüngsten Bruders folgt der Film ohne Wertung ihren Familienstreitigkeiten und Schicksalschlägen.

Die fesselnden Persönlichkeiten und die geschickte Entfaltung der Geschichte durch die verschiedenen Perspektiven ergeben einen spannenden Film ohne prätentiöse Botschaft, den man genießen, über den man aber auch nachdenken kann.

Peacock ist kostenlos auf Chinesisch hier verfügbar.

Geheimtipp: 没头脑和不高兴, 1962 (Animation)

Dieser Kinderfilm im Stil der alten Disney-Kurzfilme erzählt in 20 Minuten das absurde Abenteuer des schusseligen 没头脑 und des unzufriedenen 不高兴. Die einfache Erzählung mit Untertiteln ist auch für Anfänger gut verständlich und die Jungpioniere auf ihrem langen Marsch zur Spitze des Wolkenkratzers sind unglaublich putzig!

Dein Lieblingsfilm ist nicht dabei? In den Kommentaren gilt sharing is caring!

Titelbild credit: “Keep your filthy hands away…” by Edwin Lee (Fallout Media) shared under a Creative Commons (BY-ND) license. Falls jemand den Film zu diesem Bild gesehen hat: wir wären gespannt auf eine Review! 

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sinonerds-Autor*in

Johannes Haupt

Als Deutschlehrer in Gansu und Austauschstudent in Shanghai und Nanjing ist Johannes viel in China herumgekommen. In seiner Freizeit ist er ein Freund von allem Digitalen und Fan des chinesischen Internets. Johannes findet Chinesisch einfach cool und möchte das Leben in China für Deutsche greifbar machen.

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Gus
Leser*in

Da fehlt doch ganz eindeutig Fearless und Hero!! 🙂

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