Graduate Conference in New York

New York, -15 Grad, Windstärke 6 – die Frisur ist dank 7 Stunden Flug eh schon im Eimer. Da in Europa bisher kaum jemand auf die Idee gekommen ist,  studentische Tagungen zu China oder Ostasien zu veranstalten, bin ich nun auf dem Weg in die Upper West Side, um an der Columbia University Graduate Conference on East Asia teilzunehmen.

Die GradCon findet 2015 schon zum 24ten Mal statt und zieht Jahr für Jahr gut 100 Nachwuchswissenschaftler_innen an. Die Chancen, angenommen zu werden, stehen übrigens gar nicht schlecht – dieses Jahr kamen auf einen Platz rund drei Bewerbungen. Wer eingeladen wird, muss etwa einen Monat im Voraus seinen Beitrag einreichen und hat dann auf der Konferenz maximal zwanzig Minuten Zeit, ihn zu präsentieren. Die Moderator_innen der einzelnen Panels nehmen sich viel Zeit, die Paper zu studieren und detailliertes Feedback zu geben. Da die Kent Hall – Der Veranstaltungsort der Konferenz – auch die Ostasienbibliothek der Universität beherbegt, bietet sich ein kleiner Abstecher zur Literaturrecherche oder Quellensichtung an. In diesem Jahr können die Teilnehmer_innen sogar das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden – das abschließende Bankett findet nämlich direkt in der Bibliothek statt.

Winterwetter in New York

Nicht zuletzt bietet die Columbia GradCon auch eine Gelegenheit, sich über einschlägige Studiengänge oder die Möglichkeit eines Auslandssemesters in den USA zu informieren, oder einfach mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die zu ähnlichen (und oft abwegigen) Themen arbeiten. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt in diesem Jahr auf Literatur, doch auch Film, Musik, Gender und Queer Studies, Archäologie, Ethnographie, sowie verschiedene Teilgebiete der Geschichtswisssenschaften sind vertreten.

Das Publikum rekrutiert sich hauptsächlich aus graduate students renommierter amerikanischer Hochschulen wie Harvard, Yale oder Princeton. Aus Deutschland (und allgemein aus Europa) bewerben sich offenbar nur wenige, was sicherlich unter anderem daran liegt, dass die Veranstalter_innen keine finanzielle Unterstützung anbieten können. Ohne Reisekostenzuschuss von der eigenen Uni oder einer Stiftung ist die Teilnahme also ein teures Vergnügen. Eine kleine Entschädigung hierfür bietet die üppige (aber sehr fleischlastige) Verpflegung in den Pausen und beim Abschluss-Dinner. Wer aus Übersee anreist, kann zudem in der Regel bei einem Mitglied des Organisationsteams kostenlos übernachten.

Für mich hat sich die Reise in jedem Fall gelohnt. Ich habe dank der Columbia Graduate Conference on East Asia Einiges gelernt – über amerikanische Duscharmaturen (kaltes Wasser ist wirklich gut für die Konzentration!), japanisch-hawaianische Schlager, den Einfluss kantonesischer Möbeltischler auf englische Wohnkultur des 19. Jahrhunderts, und vor allem über die schier unendliche Themenvielfalt der Ostasienstudien.

Fazit: Wer die Chance hat, an einer graduate student conference teilzunehmen, sollte sich diese Erfahrung nicht entgehen lassen.

Weitere Informationen

Auf der Seite der Columbia Gradcon wird voraussichtlich im Oktober der Call for Papers für die nächste Konferenz veröffentlicht, die im Frühjahr 2016 stattfinden soll. Bewerben können sich eingeschriebene Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen, die zu einem Thema mit Ostasienbezug arbeiten. Vereinzelt werden auch Bachelorstudent_innen eingeladen.

Wer einen deutschen Reisepass besitzt, braucht in der Regel für die USA kein Visum, sondern nur eine online beantragte ‘travel authorization‘ (ESTA)

Ähnliche Tagungen:

Berkeley-Stanford Graduate Student Conference in Modern Chinese Humanities

East-West Center International Graduate Student Conference

Harvard East Asia Society Conference

Oxford Graduate Conference on Contemporary China

East Asian Languages and Cultures Graduate Student Conference, University of Southern California

UBC Department of Asian Studies Graduate Student Conference

Aktuelle Konferenzankündigungen findet Ihr außerdem unter:

www.chinesestudies.eu

asiapacificstudents.wordpress.com

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sinonerds-Autor*in

Marius Oesterheld

Was die Beschäftigung mit China angeht, ist Marius ein Spätberufener: Nach einem Job in der Denkmalpflege und Studium der mittelalterlichen und Kunstgeschichte in Berlin und London belegte er 2010 den ersten Chinesischkurs. Mittlerweile studiert er Global History, liebt die chinesische Sprache mehr als Latein und findet Menschen fast so spannend wie Bücher und historische Gebäude.

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