Bubbletea – nur ein Sommermärchen?

Als vor drei Jahren die ersten Bubble-Tea-Läden in Deutschland eröffnet wurden, war ich stutzig: Während solche Geschäfte aus dem chinesischen Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind, wirkten sie zwischen McPaper und der lokalen Metzgerei doch etwas deplatziert.

Als Austauschschülerin in Beijing hatte ich ständig Bubble Tea getrunken, am liebsten die Originalversion: Schwarzer Tee mit Milch und Tapiokaperlen, im Winter warm und im Sommer mit Eis. Aber Deutschland? Da war ich etwas skeptisch. Und ich war nicht die einzige, denn viele konnten das neue Getränk nicht so richtig einordnen (Soll man es trinken? Essen? Beides gleichzeitig?), andere waren neugierig und probierten. Geduldig ließen sie sich von den stolzen Ladenbesitzern erklären, was sie da eigentlich gerade mit den dicken Strohhalmen in sich saugten. Shops eröffneten an jeder Ecke. Bubble Tea wurde zum Trendgetränk des Sommers 2012.

Pusteblume

Nicht lange nachdem sogar der Fastfoodriese McDonalds auf die Idee angesprungen war, begannen sich auch Forscher dem asiatischen Getränk zu widmen. Wissenschaftler der RWTH Aachen stellten in ihren Untersuchungen fest, dass Bubble Tea angeblich gesundheitlich bedenkliche Stoffe enthielt und veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Rheinischen Post – Neuigkeiten, deren rasante Verbreitung unter anderem dafür verantwortlich zu sein schien, dass viele der Läden, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, schon wieder schließen mussten. Abgesehen von der negativen Publicity der Rheinischen Post kommen mir jedoch bei der Frage danach, warum sich der Bubble Tea nicht langfristig in Deutschland durchgesetzt hat, noch ganz andere Faktoren in den Sinn.

Was das Essen angeht, sind die meisten von uns sehr konservativ. Einmal im Monat bewegt man sich eventuell aus der Komfortzone und probiert ganz verwegen das vegane Hotdog mit Chillisauce oder dieses unförmige neue Gemüse aus dem Supermarkt. Aber in der Regel isst der gemeine, deutsche Großstadtmensch nun mal gerne, was er schon kennt. Und Bubble Tea gehört für die meisten eben nicht dazu. In China kauft man sich während des samstäglichen Shoppingtrips einen “Pearl Milk Tea”, in Deutschland eben eher einen Kaffee. Natürlich spielt auch der Preis eine große Rolle, denn was man in Deutschland für einen Bubble Tea zahlt, steht kaum im Verhältnis dazu, was er in China kostet. Auch wenn die Ergebnisse der Studie mittlerweile widerlegt werden konnten und feststeht, dass Bubble Tea zwar nicht besonders gesund, aber auch nicht schädlich ist, war der Hype eindeutig vorbei.

Wer hat’s erfunden?

Deswegen fällt in China, oder besser in Taiwan, wo der Bubble Tea erfunden wurde, aber noch lange kein Sack Reis um. Zhēn zhū nǎi chá (珍珠奶茶), Perlen-Milch-Tee, wie das Getränk auf Chinesisch heißt, gibt es dort nämlich schon seit einer ganzen Weile. Um den Ursprung des Tees ranken sich viele Mythen, und wer als erster auf die Idee gekommen ist, Tapiokaperlen in den Tee zu tun, ist umstritten – viele Teehäuser wollen sich damit rühmen, diese beliebte Version erfunden zu haben. Eine Geschichte besagt, dass ein Teestandbesitzer, der vor einer Schule Tee verkaufte, in den 1980ern darauf kam, seinen Tee mit Fruchtaromen zu versüßen, um sich gegen die starke Konkurrenz unter den Teeständen durchzusetzen. Die Tapiokaperlen, die für gewöhnlich als Dessert gegessen wurden, kamen erst ein wenig später hinzu. Während der Zusatz von Sirup den Tee hauptsächlich bei Kindern beliebt machte, wurde der Tee mit den ‘Bubbles’ anfänglich häufig von Arbeitern bestellt, da die Tapiokaperlen viele Kalorien haben und somit Energie für die langen Arbeitstage lieferten.

(K)ein Stück China

Von Asien breitete sich der Bubble Tea dann rasch nach Australien, Kanada und in die USA aus, von wo aus der Trend dann schließlich nach Europa überschwappte. Eine der größten Bubble-Tea-Ketten ist momentan BoboQ, die allein in Deutschland über 30 Filialen betreibt. Aber auch sie haben unter der negativen Berichterstattung gelitten – fünf der acht Filialen in Hamburg mussten auf Grund mangelnder Nachfrage wieder geschlossen werden – BoboQ zieht laut eines Berichtes sogar eine Klage gegen die Forscher der RWTH in Erwägung.

Auch wenn ich am Anfang skeptisch war – die Tatsache, dass so viele Bubble Tea Shops wieder schließen mussten, macht mich doch ein wenig traurig. Weniger aus Bedenken, dass nun die Versorgung mit “Pearl Milk Tea” nicht mehr garantiert ist, sondern eher, weil die Läden für mich auch ein kleines Stück China in meiner Heimatstadt waren. Aber vielleicht war Deutschland einfach noch nicht bereit.

Das Artikelbild ist von Mr Wabu (Lizenz CC BY-SA 2.0)

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sinonerds-Autor*in

Josefine Schaefer

Seit Josefine während der Schulzeit ein Jahr in Beijing verbracht hat, zieht es sie, ob auf Reisen, für Praktika oder in Tagträumen immer wieder zurück nach China. Sie studiert Mehrsprachige Kommunikation an der Fachhochschule Köln und macht derzeit ein Praktikum in Hamburg.

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