Chinesische Zeichen mit Mnemotechniken lernen (Teil 2)

Kevin Li ist Mitgründer des Start-ups Zizzle, das sich zum Ziel gesetzt hat, das Erlernen der chinesischen Schriftzeichen durch Mnemotechniken spielerisch und gleichzeitig effizient zu gestalten. In dieser zweiteiligen Serie stellt Kevin anhand des Schriftzeichens 呆 (dāi) das Konzept hinter der Start-up-Idee vor.

Zweite Komponente 木 ()

Nun, da wir die Grundlagen der Zizzle-Methode kennen (Teil 1), können wir relativ einfach auch die zweite Komponente des Zeichens 呆 (dāi) lernen, nämlich 木 (). Dafür verwenden wir folgende Geschichte:

moontree_1moontree_2

„A TREE…                                        …was standing on the moon”

moontree_3

„…until the bulldog punched it back to the earth.“

Im ersten Bild kann man leicht erkennen, dass das Zeichen 木 () einen BAUM repräsentieren soll. Das Wörtchen „moon“ in der Geschichte weist auf die Aussprache hin und die Bulldogge ist charakteristisch für den vierten Ton. Denn die Bulldogge ist sehr aggressiv und schlägt nach unten, ähnlich wie der vierte Ton, der ebenfalls nach unten führt.

Das zusammengesetzte Zeichen

Jetzt, da wir die beiden einzelnen Komponenten 口 (kǒu) wie Mund (engl. mouth) und 木 () wie Baum (engl. tree) sicher beherrschen, ist es an der Zeit, sie zu unserem eigentlichen Ziel 呆 (dāi) zusammenzusetzen. Wir wissen, dass 呆 (dāi) so viel wie „silly“ bedeutet. Wir können uns also das Verhältnis der drei Zeichen in Form einer Gleichung vorstellen: 呆 = 口 + 木 oder wenn man mit den englischen Bedeutungen arbeitet: „silly“ = „mouth“ + „tree“. Wie können wir uns nun diese Verbindung mithilfe einer Assoziierung merken? Zum Beispiel so:

„They had decorated the Christmas TREE with a gigantic MOUTH, but even the mouth itself found that really SILLY.“

Und schon haben wir in einer kurzen, bizarren Geschichte die Komponenten und das zu lernende Zeichen in Verbindung gesetzt! Selbstverständlich wollen wir neben der Form auch hier noch die restlichen Informationen zu dem Schriftzeichen lernen, also Aussprache und Ton, und das funktioniert nun wieder wie für die Basiskomponenten: Wir verknüpfen die Aussprache von 呆 (dāi) mit einem ähnlich klingenden englischen Wort, hier „diamond“. Schließlich brauchen wir auch noch einen Charakter, der den ersten Ton symbolisiert. Bei Zizzle ist das die Schildkröte, denn der erste Ton klingt ein wenig so als würde jemand singen, und unsere Schildkröte liebt das Singen. Wie sieht es also aus, wenn wir die Geschichte vervollständigen?

                                     

„So it transformed itself into a diamond                    … and the turtle sang to its beauty.“

Übung macht den Meister

Abschließend bleiben nur noch zwei Bemerkungen:

Zunächst einmal gibt es natürlich nicht den einen richtigen Weg um Chinesisch zu lernen. Auch die Zizzle-Methode selbst ist auch nicht in Stein gemeißelt, sondern kann flexibel angepasst werden. Manche Menschen sind eher auditive Lerntypen und können ohne weiteres die Aussprache eines Zeichens sich merken. In diesem Fall kann man sich nur auf den ersten Teil der Geschichte konzentrieren und sich die Form des Zeichens einprägen. Und auch wenn man eine fremdgeschriebene Geschichte nun gar nicht nachvollziehen kann, kann man sich eigene Geschichten mit der Methode ausdenken. Man kann Zizzle auch mit anderen Techniken kombinieren. Ich selber nutze die Methode vor allem für die Schriftzeichen, bei denen ich das Gefühl habe, dass ich sie immer wieder vergesse.

Und schließlich führt auch die beste Lernmethode nicht am eigenständigen Üben und Wiederholen vorbei. Aber mit der richtigen Methode hat man definitiv schon einmal einen wichtigen Grundstein gelegt. Und mit dem Ansatz von Zizzle, der bewiesenermaßen wirksame Memotechniken verwendet, wird den sonst eher platten chinesischen Zeichen Leben eingehaucht. Die so geschaffene Verbindung zwischen Form, Bedeutung, Ton und Aussprache wird lebendig im Gehirn verbleiben!

In diesem Sinne, viel Erfolg beim Lernen!

Alle Rechte an Bildern in diesem Artikel liegen bei Zizzle.

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Über den Autor

Kevin Li

Kevin ist in Berlin geboren und zweisprachig aufgewachsen. Er hat immer wieder während seiner Kindheit, der Schulzeit und dem Studium in China gelebt, zuletzt als Student an der Renmin University in Beijing. Mit dem Startup Zizzle versucht er die Art und Weise, wie chinesische Zeichen gelernt werden, neu zu definieren. Er hofft mit der App das Lernen der chinesischen Sprache zu erleichtern und so auch einen kleinen Beitrag zum Kulturaustausch zu leisten.

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