Bald zu sehen in Berlin: Chinas Badass Girls

Eine neue Ausstellung zeigt eine junge, erstarkte Generation von Frauen

GIRLS – nicht umsonst kommt uns der Titel von Luo Yangs Fotoausstellung ganz in Großbuchstaben entgegen. Denn so unterschiedlich ihre Modelle sind, betonen sie doch alle ihr erstarktes Bewusstsein für ihre Weiblichkeit.

Jung, schön, provokant, und gleichzeitig verletzlich. Die Fotografin Luo Yang zeigt ab nächster Woche in Berlin ihre beeindruckenden Portraits einer neuen Generation junger, selbstbewusster Chinesinnen, die den Mut haben, Wege jenseits des Konventionellen zu begehen.

Im chinesischen Kontext ist dieses bewusste Rausfallen aus gesellschaftlich erwünschten Geschlechterrollen nicht weniger als ein rebellischer Akt. Statt Emanzipation und Gleichberechtigung sehen sich chinesische Frauen häufig mit einer Doppelbürde konfrontiert. Die Werte einer modernen Volkswirtschaft, die sich (zumindest teilweise) den Regeln des freien Marktes unterwirft, und in der nur die Leistung der und des Einzelnen zählt, haben sich in China noch nicht durchgesetzt.

© Luo Yang. 蒋蜜 Jiang Mi, 2011 (Kitchen)

© Luo Yang. 蒋蜜 Jiang Mi, 2011 (Kitchen)

Die Mischung aus traditionell überlieferten Erwartungen und die volle Härte des Turbokapitalismus bürdet vielen Frauen die Arbeit im Haushalt und einen Vollzeitjob auf. Da bleibt nur wenig Raum für kreative Experimente zur Selbstfindung und eine kritische Hinterfragung der bestehenden Verhältnisse. Luo Yangs Bilder rücken genau diese jungen Frauen in den Fokus; sie stellen sich die Frage, was es für sie bedeutet, im heutigen China eine Frau zu sein und was für eine Frau sie sein möchten.

Ihre Modelle sind ihre Freundinnen, Freundinnen von Freunden und teilweise auch Fremde, die sie im Internet gefunden hat. Was sie alle eint, ist ihr ungebrochenes Selbstbewusstsein und ihre innere Stärke. „Diese Frauen machen das, was ihnen gefällt. Und sie sind sehr mutig, teilweise sogar mutiger als ich, was ich sehr bewundere“, sagte die Fotografin in einem Presseinterview.

© Luo Yang. 屁屁 Pi Pi, 2015 (Highway)

© Luo Yang. 屁屁 Pi Pi, 2015 (Highway)

Luo Yang hat ihre Bilder bereits in China und Europa ausgestellt, Ai Weiwei nannte sie „einen der aufsteigenden Stars der chinesischen Fotografie“ (New Statesman). Frauen sind und bleiben das Hauptmotiv für die Fotografin aus Liaoning. Momentan überlegt sie, eine NGO zu gründen, um chinesische Frauen zu unterstützen und weiter für mehr Geschlechtergleichheit zu kämpfen. Es sollte sich also lohnen, Luo Yangs Arbeit weiterhin zu verfolgen.

© Luo Yang. 蒋蜜 Jiang Mi, 2011

© Luo Yang. 蒋蜜 Jiang Mi, 2011

GIRLS läuft vom 20. Mai bis 5. Juni 2016 in der Mo Industries Pop Up Gallerie in Berlin. Die Gallerie ist in der Rosa-Luxemburg Straße 16 und kann Dienstag bis Samstag von 13 bis 20 Uhr besichtigt werden. Luo Yang wird bei der Vernissage am Freitag, den 20. Mai, um 19 Uhr anwesend sein.

Initiiert wurde die Ausstellung von Mo Industries, einer kleinen, aber feinen Pop-Up Galerie Kooperation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den künstlerischen Austausch zwischen Asien und Deutschland zu fördern. Falls ihr mehr über die Mo Industries und zukünftige Ausstellungen erfahren wollt, könnt ihr mal auf der Homepage vorbeischauen.

Titelbild credit: © Luo Yang. 北京情侣 Beijing Couple, 2011

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Über den Autor

Siyuan He

Siyuan kam bereits als Kleinkind in die Bundesrepublik und hat Berlin als ihre temporäre Heimat ausgewählt. Einst zum Studieren gekommen, entdeckte sie wie viele andere die Vorteile der quirligen Metropole und begann das hiesige Kulturleben zu erkunden, das genauso endlos und divers ist wie ihre eigenen Interessen. Unter anderem ist Siyuan eine passionierte Berlinalebesucherin und rezensierte jahrelang Filme im Stadtmagazin tip Berlin. Ihre Passion fürs Schreiben verbindet sie am liebsten mit dem Kennenlernen neuer Menschen aus unterschiedlichen Kontexten und dem Sammeln interessanter (Lebens-)Geschichten. Momentan untersucht sie im Rahmen ihrer Masterarbeit Vorurteile gegenüber Muslimen in Deutschland.

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